Dienstag, 3. Dezember 2013


Kann nachts nicht schlafen, Träume werden zu Flashbacks. Wache heulend auf, schmecke das Salz, wälze mich umher. Die Alpträume verfolgen mich. Weiß nicht wieso, weiß nicht wozu. Ich durchlebe meine Vergangenheit immer wieder aufs Neue, komme nicht von ihr los. Meine Müdigkeit schlägt mich nieder, bin kaum noch fähig morgens aufzustehen, aber habe genauso Probleme mit dem Einschlafen.

Ich blicke aus dem Fenster, das beschlagen ist. Kleine, unschuldige Schneeflocken rieseln auf den Boden vor dem Haus. Alles wirkt friedlich, doch in mir tobt die Angst. Ich bin heute nicht allein mit ihm, aber was heißt das schon? Nichts.
Ich entferne mich der Kälte und setze mich aufs Bett, lese in dem Buch, das ich zu Weihnachten bekommen habe, als ich plötzlich gerufen werde. Ich blicke auf die Uhr, es ist schon abends, womöglich gibt es Essen. Was wird es geben? Restliches Festessen der letzten Tage, oder nur etwas Fertiges?
"Setz dich bitte", sagt sie. Es ist nicht gedeckt. Eine melancholische Stille macht sich im Raum breit, als sie das Radio ausschaltet. Der Tannenbaum ist schon wieder abgeschmückt, doch die Wärme ist noch immer in der Wohnung. Sie setzt sich gegenüber, er sich schräg neben mich. Ich habe Angst. Ich frage mich, was ich falsch gemacht habe. Sie gucken beide Ernst. Ich schiebe innere Panik, denke an die schlechten Zensuren, die ich vor den Ferien geschrieben habe, denke daran, dass ich vergessen habe, das Zimmer aufzuräumen, denke daran, dass ich vergessen habe Bescheid zu sagen, dass ich noch länger bei meiner Freundin bleiben wollte.
Mein Gedankentiefgang wird von einer liebevollen doch ernsten Stimme unterbrochen.
"Du weißt, dass deine Mama schwer krank ist...", fängt sie den Satz an. Ich nicke, starre sie an. Unter dem Tisch spüre ich Tritte an meinem Bein, doch ich darf mir nichts anmerken lassen. Er reibt mir die Haut ab, es brennt höllisch, doch ich sage nichts.
"Und letzte Nacht", setzt sie fort, "ist sie ganz ruhig und tief eingeschlafen."
Ich realisiere nichts, als sie den Satz beendet. Das einzige, das ich spüre, ist der äußere Schmerz, den er mir hinzufügt. Und als ich von den Bildern eingeholt werde, wie ich meine Mama im Rollstuhl durch das Krankenhaus schiebe und ihre Stimme höre, spüre ich auch den innerlichen Schmerz. Ich weiß, was das bedeutet. Ich weiß, was sie damit meint.
Meine Tränen laufen spärlich übers Gesicht hinunter, sie guckt mich an und sagt, es wäre okay.
Er rührt sich nicht, wirft mir einen widerwärtigen Blick zu.
Als ich aufstehen will um mich unter meiner Bettdecke zu verkriechen, packt er mich am Arm und flüstert: "Du hast es nicht anders verdient", lässt mich los, und ich weine noch mehr als vorher.

Das Bett scheint meine Rettung, der Schmerz aber ebbt nicht ab. Meine Luft bleibt mir weg, die Melancholie durchzieht mich. Ich weiß zum ersten Mal, was es heißt, zu trauern.

Ständig. So gut wie jede Nacht. Es holt mich ein. Immer wieder. Ich wünschte, ich könnte die Vergangenheit loslassen, hinter mich lassen. Aber wie kann ich schon, wenn sie mich verfolgt? 
Ich hab's nicht anders verdient.

1 Kommentar:

Lexy hat gesagt…

Was du schreibst, ergreift einen unheimlich stark. Ich weiß nicht ob es dein Leben wiederspiegelt oder einfach nur vergleicht wie dir dein Leben vorkommt...Oder vielleicht beides. Aber ich wünsche dir nur das beste. Liebe Grüße <3